Einweihung einer Guaraní-Schule in Paraguay

Oktober 2009

Drei Jahre war es her, dass ich zuletzt in Argentinien war und einige der von AYUDA unterstützten Projekte gesehen hatte. Nun kehrte ich voller Erwartungen zurück, um beinah all unsere Projektpartner in Argentinien und Paraguay zu besuchen.

Aus dem dicht besiedelten, chaotischen Buenos Aires machte ich mich auf den Weg nach Paraguay. Nachdem der Bau einige Wochen wegen Regens und unpassierbarer Wegen brach gelegen hatte, waren die neuen Räume für eine Indianerschule in der Nähe von Ciudad del Este nun unerwartet schnell fertig gestellt worden, und es sollte Einweihung gefeiert werden.

Zunächst scheute ich die zusätzliche dreitägige Fahrtzeit. Doch die zweieinhalb Tage, die ich bei unseren Projektpartnern in Paraguay verbrachte, haben sich gelohnt und sind ein unvergessliches Erlebnis.

Eckdaten

Ort:Remanso Toro / Paraguay
Jahr:2009
Projektbesuch   Anne Kersting

Am Tag nach meiner Ankunft, dem geplanten Eröffnungstermin der Schule, waren die Erdstraßen wegen Regens erneut nicht befahrbar, so dass die Einweihung kurzerhand auf den nächsten Tag verschoben wurde. Am Samstag, dem 10. Oktober brachen wir dann Vormittags zusammen mit Schwester Daniela und Schwester Zuni nach Remanso Toro auf, mit mehreren Tüten Fleisch im Gepäck, dem Beitrag der Schwestern zu dem Festessen-Eintopf, der Mittags von einigen Guaraní-Frauen gekocht wurde.

Auf einem Platz unter Bäumen waren viele Menschen versammelt. Der Religionsführer der Gemeinschaft begrüßte mich, und der Direktor der Schule zeigte mir sogleich stolz das neue Schulgebäude – ein solider Backsteinbau, in dem eine weitere Klasse untergebracht und die Lehrer der Schule die Woche hindurch wohnen können. Müssten die Lehrer täglich nach Hause fahren, so könnte der Unterricht häufig nicht stattfinden, da die Lehrer bei Regen oft nicht anreisen können.
Der Geruch nach Farbe lag noch in der Luft – und tatsächlich war der Bau erst wenige Tage vorher fertig gestellt worden. Dabei hatten viele Menschen der Gemeinschaft am Bau mitgewirkt, und sogar die Schülerinnen und Schüler haben mitgeholfen, indem sie die Fensterrahmen und Fenster gestrichen haben.

Auf dem Platz vor der Schule war es trotz der vielen Personen ruhig, und ich war erstaunt, wie zurückhaltend und gewissermaßen scheu sich die Menschen - und sogar die Kinder - verhielten. Zu Beginn hielt der Religionsführer der Gemeinschaft mit leisen Worten eine Ansprache. Er dankte allen und betonte, dass jede Kultur ihren eigenen Wert und ihre Daseinsberechtigung habe. Die verschiedenen kulturellen Gruppen sollten ihre eigenen Traditionen pflegen und einander respektieren, damit alle Menschen friedlich miteinander leben könnten. Anschließend segnete er die Schule, und Schüler und Lehrer tanzten in einem Kreis um ihn herum. Es folgten Reden des staatlichen Beauftragten für die indigenen Schulen der Region, des Caciques (vergleichbar mit dem Bürgermeister) und des Direktors, bevor ich an die Reihe kam – und die erste Ansprache meines Lebens auf Spanisch mit Simultanübersetzung in Guaraní hielt, um noch einmal zu erzählen, woher genau die Spenden kommen, und um den Schülerinnen und Schüler zu empfehlen, alle Möglichkeiten zu nutzen, die ihnen die Schule bietet.
Dann präsentierten die kleineren Kinder die Fahne Paraguays und die älteren Gedichte, Lieder und Tänze. Neben der Nationalhymne Paraguays erklang dabei traditionelle Musik der Guaraní von CD und bei der Segnung der Schule auch live.

Gegen 13 Uhr dann war es endlich so weit: Das goldene Band wurde durchschnitten und die Schule damit eröffnet…

Nach der Eröffnung wurde endlich das Festessen aus einem riesigen Topf verteilt. Wie mir die Schwestern erklärten, war dies für viele die einzige Mahlzeit des Tages. Die meisten Guaraní der Region sind sehr arm und bedürftig, und es fehlen ihnen die Mittel, sich vollwertig und ausreichend zu ernähren. Die Schulen erhalten vom Staat Nahrungsmittel für die Kinder, was einen enormen Anreiz für die Schülerinnen und Schüler bedeutet, regelmäßig zum Unterricht zu kommen. Wie mir mehrere Personen erzählten, sind die Gemeinschaften auf Hilfe angewiesen, bekommen jedoch nur wenig Unterstützung. Umso dankbarer sind sie für die Hilfe aus Deutschland und der Schweiz, wo die integrierte Orientierungsschule in Stans anlässlich ihres 150-jährigen Bestehens eine große Spendenaktion speziell für dieses Projekt durchgeführt hat.


Ich hoffe, dass ich in zwei bis drei Jahren erneut nach Südamerika fahren kann, und werde dann von weiteren Projekten berichten.

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